Nachruf

Nagy Ferenc professzor nemzetközi kapcsolatai széleskörűek voltak, s különösen a német nyelvterület (Németország, Ausztria, Svájc), valamint a németül beszélő tudományos világ, így szinte mindenki a büntetőjogban, ismerte munkásságát.
Kutatási és oktatási együttműködései révén számos német kutatóval és egyetemi kollégával ápolt kollegiális-baráti viszonyt is, e kollégák közül Walter Gropp (az SZTE díszdoktora), Josef Bischof (az ÁJTK díszpolgára, civis academicus honoris causa), Liane Wörner (a konstanzi egyetem professzora) és Arndt Sinn (az osnabrücki egyetem professzora) az alábbi nekrológot adják közre részvétük és veszteségük kifejezésére.

Ferenc Nagy † Am 8. 5. 2020 ist em. Professor Dr. Ferenc Nagy, Universität Szeged (Ungarn), Doktor der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, ehemaliger Dekan der Fakultät, ehemaliger Leiter des Lehrstuhls für Strafrecht und Strafverfahrensrecht und Stipendiat der Alexander-von Humboldt-Stiftung, im Alter von 72 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit viel zu früh verstorben. Er hinterlässt eine Lücke nicht nur als anerkannter Gelehrter des ungarischen Strafrechts, son­dern auch als ein international anerkannter Kollege, dem gerade der ungarisch-deutsche Straf­rechtsdialog in besonderer Weise am Herzen lag.

I.
Nach der Diplomprüfung 1972 an der Fakultät für Recht und Politische Wissenschaften (ÁJTK) der Josef-Attila-Universität Szeged (JATE) nahm er seine Tätigkeit an der Abteilung für Strafrecht und Strafprozessrecht der ÁJTK auf, zu deren Leiter er 1992 ernannt wurde. Nach erfolgreicher Habilitation wurde Ferenc Nagy 1995 Universitätsprofessor in Szeged. 1990-1992 war er Dekan und 1990 bis 1999 Mitglied des Universitätsrates. Auf Grund seiner herausragenden Reputation als Strafrechtslehrer wurde Ferenc Nagy von 2001 bis 2009 als Mitglied und Vorsitzender in den Kodifikationsausschuss für eine um­fassende Überprüfung des ungarischen Strafgesetzbuches berufen. Dass sich Ferenc Nagy aber auch für zeitaufwändige Gremienarbeit nicht zu schade war, zeigt sein Engagement u.a. als Vor­standsmitglied der Ungarischen Kriminologischen Gesellschaft der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, als Präsident der Ungarischen Gefängnisgesellschaft, als Mitglied der Jury für Politikwissenschaft und Recht in der Ungarischen Forschungsgemeinschaft (OTKA), als Mitglied des Rechtswissenschaftlichen Ausschusses der Ungarischen Akademie der Wis­senschaften (MTA) und schließlich als Mitglied des wissenschaftlichen Rates des Nationalen Instituts für Kriminologie. Unter den zahlreichen Anerkennungen und Ehrungen fallen vor allem die Aus­zeichnungen für exzellente Lehrtätigkeit auf, von denen vor allem der Preis als "Lehrer des Jahres 2008" der Fakultät für Rechts- und Wirtschaftswissenschaften der Universität Szeged erwähnt sei. Zu seinem 70 Geburtstag wurde Ferenc Nagy mit einer Festschrift geehrt, an der 84 Kollegin­nen und Kollegen aus dem In- und Ausland mitgewirkt haben. 13 Beiträge sind auf Deutsch veröffentlicht.

II.

Die genannten Festschriftbeiträge befassen sich mit vielen von Ferenc Nagy bearbeiteten Thematiken und spiegeln so sein beeindruckendes wissenschaftliches Werk wider. Schwerpunkte bilden insoweit Fragen der Untersuchungshaft und der Strafhaft, die Theorie der Strafe und das Sanktionensystem sowie die Prinzipien des Strafrechts.

Von ganz besonderer Bedeutung ist aber das Lehrbuch von Ferenc Nagy zu den Allgemeinen Leh­ren des Strafrechts, das erstmals 1996 erschien und dank zahlreicher Neuauflagen bis heute aktuell ist. Es ließ Ferenc Nagy zum Begründer der „Szegeder Strafrechtsschule“ werden. Seine Reputation als Lehrbuchautor und seine exzellente Kenntnis der deutschen Sprache einschließlich der juristischen Fach­sprache machten Ferenc Nagy zu einem begehrten Gesprächspartner im deutschsprachigen Ausland. Forschungsaufenthalte am Freiburger Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht 1982 als MPG-Stipendiat und ab 1988 als Stipendiat der Alexander-von-Humboldt-Stiftung führten zu einem lebhaften deutsch-ungarischen Strafrechtsdialog, der sich ab 1993 auf den Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht und Strafrechtsvergleichung an der Univer­sität Leipzig fokussierte und ab 1998 durch die Zusammenarbeit mit dem ebenfalls straf­rechtsvergleichend ausgerichteten Lehrstuhl für Strafrecht an der Universität Gießen weiter ausgebaut wurde. Die Unterzeichnenden haben als Angehörige dieser Lehrstühle zahlreiche Lehr- und Forschungsaufenthalte in Szeged verbracht. Neben dem wissenschaftlichen Gedankenaustausch wird ihnen die überwältigende Gastfreundschaft an der Universität Szeged und im Hause Nagy in dankbarer Erinnerung bleiben.

III.

Obwohl die deutsch-ungarischen wissenschaftlichen Kontakte unter den Schülern der be­freundeten Lehrstühle (Arndt Sinn und Liane Wörner - Krisztina Karsai und Zsolt Szomora) gepflegt und höchst erfolgreich fortentwickelt werden, ist mit Ferenc Nagy eine der wich­tigsten Stimmen im deutsch-ungarischen Strafrechtsdialog verstummt. Wir werden ihn sehr vermissen.

Prof. i.R. Dr. Walter Gropp (Univ. Gießen; Dr. h.c. Univ. Szeged),

Dr. Josef Bischof (ehem. wiss. Mitarb. Univ. Leipzig, Civis Academicus h.c. Univ. Szeged),

Prof. Dr. Prof. h.c. Arndt Sinn (Univ. Osnabrück, ehem. stud. und wiss. Mitarbeiter Univ. Leipzig und Gießen),

Prof. Dr. Liane Wörner, LL.M. (Univ. Konstanz, ehem. stud. und wiss. Mitarbeiterin Univ. Leipzig und Gießen).